Ist Atheismus ein Problem im 21. Jahrhundert?

Traditionell gehört die Religion seit Anbeginn der Zeit zu einer festen Größe in Gesellschaften und Kulturen weltweit. Früher waren sie sogar der maßgebende Faktor, für die Frage wie der Mensch sein Leben gestaltet. In sehr vielen Ländern ist dies nach wie vor der Fall.

Jedoch ist es Tatsache, dass nicht alle Menschen an einen Gott glauben und viele dieser Personen sogar konkret sich dem Atheismus zugeschrieben haben. Immer weniger Menschen sind aktive Mitglieder von Kirchengemeinden und in manchen Ländern wurde sogar der Religionsunterricht aus den Schulen verbannt.

Um auf die Frage beantworten zu können, ob der Atheismus ein Problem im 21. Jahrhundert darstellt, muss man zunächst erst mal verstehen, worum es sich bei diesem Konzept tatsächlich handelt.

Der Begriff Atheismus stammt aus dem altgriechischen und bedeutet übersetzt “ohne Gott”. Dabei handelt es sich also um die Ablehnung des Glaubens an Gott. In vielen Definitionen werden auch die Agnostiker (agnostischer Atheismus) unter dem Begriff Atheismus untergebracht. Agnostiker glauben, dass die tatsächlich Existenz Gottes ungeklärt und auch in Zukunft ungeklärt bleiben wird. Anhänger dieses Konzepts glauben nur an Dinge und Tatsachen, die auch faktisch nachgewiesen sind und vor allem, belegbar sind.

Befürworter der Religionen und des Glaubens sind der Meinung, dass ein fehlender Glaube vor allem eine große Gefahr birgt: das Fehlen des moralischen Handelns. Religion sei an sich ein Wert und muss dementsprechend in der modernen Gesellschaft einen festen Platz handeln.

Atheisten hingegen vertreten die Meinung, dass Religion nicht in Form von Schulunterricht auferlegt werden kann und eine persönliche Willensentscheidung darstellt. Insbesondere in den letzten Jahren versuchen nicht-religiöse Gruppen, auf die negative Entwicklung des religiösen Fanatismus hinzuweisen. Terrorismus der religiöse begründet wird ist leider tatsächlich inzwischen eine feste Größe des Alltags dem sich Menschen auf der ganzen Welt gegenübergestellt sehen.

Wenn man jedoch in die Tiefe blickt, stellt weder Glaube noch Atheismus für sich alleine ein Problem dar. Das tatsächliche Problem ist vielmehr die Tatsache, dass die Debatte für oder gegen Religion mit Argumenten gewonnen versucht wird, die sich auf stereotypen Aussagen beziehen und somit einen großen Makel haben: Unverständnis und Wissenslücken.

Statt Religion oder Atheismus als Problem oder Schwäche zu sehen, sollte eine moderne Gesellschaft des 21. Jahrhunderts eher darin investieren, Aufklärungsarbeit und Verständnis für die jeweiligen Konzepte zu erreichen. Der Religionsunterricht an Schulen ist an sich nicht falsch, sollte jedoch viel stärker dazu genutzt werden verschiedenen Glaubensrichtungen zu erklären und Kinder ab frühen Alter zu sensitivieren, Andersgläubige oder Nichtgläubige zu akzeptieren. Dies wird zur unmittelbaren Folge haben, dass auch der Rassismus der aufgrund religiöser Vorurteile Kindern imprägniert wird, frühzeitig entgegengesteuert werden kann.

Das eigentliche Problem des 21. Jahrhunderts hinsichtlich Religion ist die Tatsache, dass wir nach wie vor nicht ausreichend Aufklärungsarbeit leisten. Ja Religion kann Menschen helfen, moralisches Denken und Handeln zu fördern, beschränkt sich aber nicht nur auf die christliche Glaubensrichtung, sondern auf 99 Prozent aller Glaubensrichtungen. Die moderne Kirche sollte jedoch inzwischen auch akzeptieren können, dass es Menschen gibt, die Schlichtwegs nicht ein eine höhere Kraft glauben. Dabei handelt es sich nicht um Sündiger, sondern um Menschen die ihren moralischen Kompass aus anderen Quellen bereichern, sei es die Literatur oder Geschichte.

Welchen Stellenwert hat Religion in der modernen Gesellschaft?

In jeder Gesellschaft weltweit und in allen vorstellbaren Ecken der Welt, ist die Religion nach wie vor ein Bestandteil, den man weder leugnen kann und sich nicht von der sozialen und kulturellen Welt loslösen lässt.

Religion und Mensch sind eng miteinander verknüpft und bilden ein Geflecht, dass nicht nur für Hoffnung im Laufe der Geschichte gesorgt hat, sondern auch viele Kriege verursacht hat. Auch heute wird im Namen der Religion noch Gewalt angewendet, was in Form des Terrorismus leider immer häufiger zum Ausdruck kommt.

Terrorismus im Namen des Glaubens ist aber nicht die einzige negative Form, wie sich Religion heutzutage im Bewusstsein des Menschen widerspiegelt. Seit Jahrzehnten werden viele Glaubensrichtungen von unzähligen Skandalen gequält, die das öffentliche Bild der Religionen im Allgemeinen massiv geschädigt haben.

So ist es durchaus nachvollziehbar, dass sich in den letzten Jahren ein intensiver Dialog hinsichtlich der Religion gebildet hat und welchen Stellenwert diese in der modernen Gesellschaft einnimmt.

Religion in der heutigen Gesellschaft ist vor allem durch die Tatsache geprägt, dass sie kein einheitliches Profil vorweisen kann. Dies führt zu einem großen Grad an Splitterung der unterschiedlichen Glaubensrichtungen und erschweren es den Menschen sich tatsächlich mit einer Religion identifizieren zu können. Man kann hier regelrecht von einem religiösen Machtkampf der einzelnen Glaubensrichtungen sprechen.

Des Weiteren ist festzustellen, dass der Mensch der heutigen Gesellschaft Religion zunehmend als eine persönliche und private Angelegenheit ansieht. Das kommt auch in rechtlicher Hinsicht zum Ausdruck, betrachtet man die Tatsache, dass zum Beispiel die Religion eines Menschen bei der Einstellung einer neuen Stelle keine Rolle spielen darf. Der Nebeneffekt dieser Ansichtsweise ist der Fakt, dass Kirchengemeinden eine geringere Bindung zwischen der örtlichen Kirchen und der Mitglieder vorweisen und dies im Kontrast zu vergangenen Dynamiken zwischen Kirchen und Gläubiger steht.

Ferner zu erkennen, dass Religionen heute immer mehr in neuen Formen zum Ausdruck kommen. Es gibt inzwischen unzählige Glaubensgemeinschaften, die sich unterschiedlichen Bestandteilen von unterschiedlichen Religionen bedienen und auf dem basierend, ihr eigenes Dogma erstellen. Die steigenden Mitgliederzahlen dieser “neuen” Religionen zeigt ganz klar, dass die “Patchwork”-Religionen eine zunehmende stärkere Bedeutung in der modernen Gesellschaft einnehmen.

Nach wie vor spielt die Religion jedoch eine Rolle in der Wirtschaft und Politik. In sehr vielen Ländern ist der religiöse Teil der Kultur nicht von der politischen und wirtschaftlichen Welt ausgeschlossen. So hat der Papst zum Beispiel einen großen Einfluss auf politische Führer und die Meinung der Kirche muss nach wie vor bei vielen Entscheidungen, die soziale Verhältnisse eines Landes betreffen, in Betracht gezogen werden.

Obwohl die Mitgliederzahlen der Kirchen und Religionshäuser aller Art im Durchschnitt sinken, hat sich auch aufgrund des negativen Einflusses des Terrorismus, eine neue Religiosität gebildet, die jedoch mit Vorsicht zu betrachten ist und auch Rassismus zur Folge haben kann. Das kommt vor allem zum Ausdruck, wenn man sich die Entwicklung in den Vereinigten Staaten vor Augen führt. Der Beschluss des jetzigen Präsidenten Donald Trump, keine muslimischen Einreisende mehr zuzulassen und Visas für bestimmte islamische Staaten komplett zu unterbinden, hat eine neue Debatte ausgelöst, welchen Stellenwert die Religion heutzutage einnimmt.

Christliche Ansichten zur gleichgeschlechtlichen Ehe

Die Gesellschaft heutzutage hat sich im Vergleich zur Vergangenheit maßgeblich verändert. Während viele gesellschaftlichen Formen früher noch unvorstellbar waren, ist vieles heute nahezu fester Bestandteil zahlreicher Kulturen.

Das Thema rund um Homosexualität gehört zu einem der sensibelsten Themen der Geschichte und hat im Laufe der Zeit für viel Gesprächsstoff und Aufmerksamkeit gesorgt. Früher als Fehler und Tadel verschmäht, ist es heute nicht zu leugnen, dass Homosexualität ein fester Bestandteil einer modernen Gesellschaft ist.

Heute sind wir inzwischen in vielen Teilen der Welt so weit, dass wir gleichgeschlechtliche Liebe akzeptieren und es nicht mehr etwas verstößliches darstellt. Dies ist natürlich nicht in allen Ecken des Globus der Fall.

Des Weiteren hat die weltweite Gemeinde der Homosexualität in den letzten Jahren gravierende Fortschritte hinsichtlich rechtlicher Gleichstellung erreicht, was mit sehr viel Mühe und Einsatz umgesetzt wurde. So ist es in vielen Ländern inzwischen möglich eine gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft einzugehen, die homosexuellen Paaren wie einem heterosexuellen Ehepaar, die gleichen Rechte einräumt. In vielen Ländern wird jedoch nach wie vor zwischen richtigen Trauungen und alternativen Segnungshandlungen unterschieden.

Trotz unserer modernen Gesellschaft spielt in fast allen Ländern der Welt die Religion eine wichtige Rolle im alltäglichen Leben der Menschen. Die westlichen Länder, aber nicht nur diese, sind vor allem durch das Christentum geprägt. Auch hier wird zwischen vielen unterschiedlichen christlichen Religionen unterschieden, die mal mehr und mal weniger strikt und streng mit dem Thema Homosexualität umgehen. So stellt trotz des enormen gesellschaftlichen Fortschritts, Homosexualität nach wie vor aus religiöser Sicht, ein kontroverses Thema dar und nur eine Minderheit von christlichen Glaubensgemeinschaften führen kirchliche Segnungen zwischen gleichen Geschlechtern durch.

Die römisch-katholische Kirche setzt sich zum Beispiel nach wie vor gegen eine rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare ein. Jedoch differenziert sich die römisch-katholische Ansichtsweise diesbezüglich in den verschiedenen Regionen und auch verschiedenen Unterteilungen der Glaubensrichtung voneinander. In der Schweiz, im Kanton Basel, wird zum Beispiel öffentlich die Eheschließung von homosexuellen Paaren gefördert. So wurden im Jahre 2004 sogar mit einer Kampagne und Flyern konkret auf das Thema hingewiesen. Bis heute jedoch gibt es von der römisch-katholischen Kirche offiziell keine einheitliche Meinung zur homosexuellen Eheschließung, trotz der Bemühungen des Zentralkomitee der deutschen Katholiken in 2015 einen einstimmigen Beschluss zur gleichgeschlechtlichen Ehe zu erwirken.

Die evangelische Kirche hingegen gab 2001 öffentlich bekannt, dass man einer gleichgeschlechtlichen Eheschließung in einer gottesdienstlichen Handlung nicht zustimme. Hingegen ist jedoch bei einer Reihe an evangelischen Kirchen, die öffentliche Segnung des Paares möglich. Dies ist jedoch nicht mit der echten Trauung zu verwechseln.

Die Anglikanische Kirche ist hinsichtlich dieses Themas ebenfalls unentschlossen, so ist es in den westlichen Industriestaaten möglich sich segnen zu lassen, was in christlichen Ländern mit der anglikanischen Glaubensrichtung wie zum Beispiel in Afrika jedoch oft nicht der Fall ist.

Ferner muss man sagen, dass das Christentum nicht alleine steht mit seiner Unentschlossenheit zur gottesdienstlichen Trauung gleichgeschlechtlicher Paare. Auch im Judentum, im Islam oder Buddhismus wurden Segnungen erteilt, jedoch kein Beschluss zu einem allgemeinen Dogma veröffentlicht.

So unterscheiden sich die Ansichten nicht nur von Religion zu Religion, sondern auch innerhalb der christlichen Gemeinde. Für homosexuelle Paare ist es somit notwendig sich mit den Ansichten der einzelnen Kirchen, ja sogar des einzelnen Pfarrers, auseinanderzusetzen, sofern der Wunsch nach einer kirchlichen Trauung besteht. Jedoch lässt sich aufgrund der aktuellen Entwicklungen hinsichtlich dieses Themas ableiten, dass es sich die Kirchen auf Dauer nicht leisten können, wage mit dem Thema umzugehen und es auf kurze oder lange Sicht zu einer allgemeinen Haltung kommen wird.